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Singapur River – pulsierendes Herz der Stadt

Text und Fotos: Manuela Barm 


Einst machte der Singapur River wagemutige Kaufleute immens reich - als wild wuselnder Hafen, in dem tausende Träger täglich exotische Waren wie Tee, Gewürze und Gummi in den Lagerhäusern umschlugen; heute ragen am CBD-Ufer mächtige Geldtürme in den Himmel, in pastellfarbenen Shophauses locken Bars und Restaurants Besucher. Allerdings geht es selbst an einem Samstagabend ‑ Corona! – sehr beschaulich an der sonst weltweit bekannten Partymeile wie dem Robertson Quai zu. Unsere River-Tour mit Stadtführerin Charlotte Chu am Samstag (5. März 2022) beginnen wir gediegen. Treffpunkt Fullerton Hotel. Ein wahrlich schillernder Ort. Beherbergte der repräsentative, graue Bau in seiner knapp hundertjährigen Geschichte doch schon Hauptpostamt, Handelskammer, den vornehmen Singapore Club und diverse Regierungsbüros. Sogar ein Leuchtturm thronte einst auf dem Dach. Zum feinen Hotel wandelte es sich 2001. Der Fullerton Square davor war schon im 19. Jahrhundert ein viel frequentierter Aufmarschplatz, etwa für eine Parade zu Queen Victorias Diamantenem Thronjubiläum 1897, wie ein altes Schwarz-Weiß-Foto zeigt. Die Tour-Teilnehmer erfahren, dass die Cavenagh-Bridge als älteste, noch existierende Brücke 1869 die Fähre ersetzte und von indischen Gefangenen gebaut wurde. Die Tour-Teilnehmer erfahren, dass die Cavenagh-Bridge als älteste, noch existierende Brücke 1869 die Fähre ersetzte und von indischen Gefangenen gebaut wurde. Wer findet die bronzenen Katzen nahe der Brücke?


Dass der verehrte Sir Stamford Raffles in drei Jahren nach 1819 nur insgesamt neun Monate in Singapur verbracht haben soll, weiß Charlotte ebenso zu berichten wie die Intention für den Ufo-artigen neuen High Court. Dessen Architekt Sir Norman Foster wählte die Kreisform, weil die Gerechtigkeit vom Zentrum aus für jeden gleich weit entfernt sein soll. 

Noch in den 1970er Jahren glich der Singapur River einer Kloake. Kein Wunder. Zählte die Stadt doch direkt an den Ufern 610 Schweine- und 490 Entenfarmen, 3600 Hinterhofbetriebe, 4900 Straßen-Hawkers, 430 Auto-Werkstätten, 27 000 Familien, die teils auf Booten lebten, und 21 000 ungeklärte Einleitungen. Die Stadt verordnete ihrem pulsierenden Herzen eine Radikalkur. Heute kann man sich unter anderem vom kürzlich fertig gestellten Hochhaus „CapitaSpring“ (99 Market Street) einen Überblick verschaffen. Empfangen werden Besucher im Turm, dessen Fassade wie ein aufgezogener Vorhang aussieht, von üppigem Regenwald. Mit dem Lift darf man wochentags kostenlos von 9 bis 18 Uhr bis zum 17. Stock fahren, samt tropischem Garten und Café. Auf dem Dach des 290 Meter hohen Gebäudes residiert ein Restaurant. Kaum vorstellbar, dass die Old Hill Street Police Station – heute das viel fotografierte Kulturministerium mit Fenstern in Regenbogenfarben – mit ihren sechs Stockwerken im Entstehungsjahr 1934 als das höchste Gebäude in Singapur galt, ja sogar in ganz Indonesien. Zum Ende der Tour erkunden wir den chinesische Po Chiak Keng-Tempel (15 Magazine Road). Der lag nach seiner Errichtung 1876 lange Zeit direkt am Fluss. Heute muss man über die vierspurige Clemenceau Street springen, um zum Eingang mit den farbenprächtigen Türwächtern zu gelangen. Noch bis zum 17. März erwartet Interessierte in der Tempelanlage mit großem Wasserbassin und mehreren Schreinen eine besondere Attraktion: Jeden Tag um 14 und 19.30 Uhr führen Frauen ein Marionettenspiel mit etwa ein Meter großen Figuren zu Ehren von Göttern auf. Eintritt frei.


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